die Anfänge


Vor nunmehr über 50 Jahren gründete Wilhelm Keller die erste Pfadfindergruppe in Denkendorf, deren Mitglieder Emil Brucker, Rolf Deuschle, Erhard Pietschmann und Rudolf Steinle waren. Auf einer Schwarzwaldfahrt wurde die "Siedlung der Kreuzfahrer" aus der Taufe gehoben. Um diese Zeit etwas nachemfinden zu können, folgt hier der fast ungekürzte Originalbericht dieser legendären Sippenfahrt.


Schwarzwaldfahrt 27 - 29. August 1949

Unsere 2 1/2 tägige Radtour führt uns ins obere Nagoldtal und ins unter Enztal. Am Samstag Nachmittag ziehen wir um 15:30 Uhr per Rad am kleinen Viadukt los. Kaum stiegen wir auf, gings schon los: "Au, ich hab mein Kochgeschirr vergessen und ich meine Kette fürs Fahrrad." Nach Vaihingen gehts mit Karacho den ersten Buckel hinunter. In zügiger Abfahrt fahren wir Böblingen zu. Erst nach 20 KM die erste Panne. Wilhelms Seitentasche hängt verdächtig schräg herunter, Riemen gekracht. Emil muß einen Riemen leihen. Weiter fahren wir nach Holzgerlingen - fehlgefahren. Auf einem Nebenweg brausen wir über Schloßgut Mauren nach Ehningen und auf einem Schleichsträßle nach Gärtringen. Jetzt wird zünftig gevespert. Jeder zieht seinen Meter Schwarzwurst heraus und beginnt zu kauen. Nach Deckenpfronn muss noch einmal fest hingestanden werden. Aber was ist das schon gegen die 10 km Abfahrt über Gültlingen ins schöne Nagoldtal zu unserer Jugendherberge. Nach kurzer Andacht gehts in die Fallen. Bis spät in die Nacht hinein plaudern wir mit unseren Kameraden. Um 7 Uhr, nach frischem Bad in der Nagold, richten wir uns zur Weiterfahrt. Nagoldabwärts fahren wir in schönem Zahn.
Wir singen: ,Wohlauf in Gottes schöne Welt, lebe wohl ade...' Rolf und Rudolf drücken immer auf Tempo. Emil immer mit 5 Meter Abstand hintendrein. Sein Tornister sitzt immer etwas schräg, so daß er in die Kurve hängen muss. Im Gänsemarsch per Rad gehts über eine Pflasterstraße nach Calw, von da aus nach Hirsau. Nach Besichtigung der Klosterruinen vespern wir außerhalb. Dann gehts hinunter nach Calmbach, eine Abfahrt die alle Radfahrerherzen höher schlagen läßt. Bei uns heisst es jetzt immer: Das gibt unsere km. Wildbad streifen wir auch noch geschwind, denn was wäre eine Schwarzwaldfahrt ohne Wildbad. Rolf und Wilhelm als alte lmker betrachten immer die Lage. Darauf Enztalabwärts nach Pforzheim. Heiß brennt die Äquatorsonne so ist es ziemlich eintönig. In Dillstein kehren wir bei Wilhelms Berufsgenossen dem freundlichen Bäckermeister Dihlmann ein. Gastlich werden wir bewirtet. Rolf kommt auch auf sein Eis, Rudolf wird es danach ganz schwindelig. Im schönen Würmtal suchen wir nach einem schönen Zeltplatz. Am Waldesrand bei frischer Quelle und der ziemlich starken Würm fanden wir das Gewünschte. Rolf unser Koch, Emil der Wasserträger, Rudolf der Zeltbauer und Wilhelm der Organisator, so daß jeder beschäftigt ist. Unsere Feuerstelle mitten in der Würm ist etwas einmaliges.Appetit haben wir ja immer (allzeit bereit) und bald ist der Hafen leer. Geschwinde polstern wir unser Zelt, um bald baden zu können. Nach dem Bad kommt der Zweck der ganzen Fahrt, die Gründung der:

SIEDLUNG DER KREUZFAHRER

Lange noch sprechen wir darüber. Nach Gebet legen wir uns zum wohl verdienten Schlaf. Emil rumort auf einmal im Zelt herum. Das Eis verfehlte bei ihm seine Wirkung nicht. Nur 5 mal mußte er heraus. Am anderen Morgen badeten wir lange. Vor der Abfahrt nach Hause halten wir eine Andacht. Darauf fertigmachen zur Sturmfahrt. (Ablegung der Siedlungsproben). Zeltbahn umgehängt und los. Es regnet in Strömen. Wilhelm muß seine Getreuen immer wieder aufmuntern. Auf einmal Rums und Krach, Rudolf fährt Wilhelm hinten ran, kommt nicht mehr los und fährt eine 2 1/2 m hohe Böschung hinunter hängt an einem Baum, reibt den Bauch, und schiebt seinen Bock wieder hoch. Emil muß bei strömendem Regen schwer austreten. Unter einer Zeltbahn verrichtet er sein Geschäft. Endlich hört es auf zu regnen und wir vespern. Rolf wird wieder gesprächiger. Über unsere bekannten Fildergemeinden fahren wir heimwärts. Jeder hat das Gefühl eine schöne, fröhliche Fahrt erlebt zu haben. Eine Fahrt schweißt Kameraden zusammen, und gute Kameraden wollen wir sein, und deshalb gehen wir recht bald wie der auf Fahrt.

Schon grüßt uns der mächtige Kirchturm von Denkendorf und wir treuen, uns in der Gewißheit unser Ziel in jeder Hinsicht mit der Fahrt erreicht zu haben.

Bericht von Rudolf Steinle