Baden-Powell


Wohl kaum eine Jugendbewegung hat sich so schnell in der Welt ausgebreitet wie das Pfadfindertum. Derzeit gibt es mehr als 16 Millionen Pfadfinder in über 150 Ländern. Das Pfadfindertum geht auf die Idee eines Mannes zurück. Dieser Artikel soll das Leben Robert Baden-Powells und die Entwicklung der Pfadfinder aufzeigen.

Baden-Powell
Robert Stephenson Smith Baden-Powell wurde am 22. Februar 1857 als zwölftes von vierzehn Kindern des anglikanischen Pfarrers Baden-Powell geboren. Der Name Smith sollte an seinen berühmten Vorfahr John Smith erinnern, der im 17 Jahrhundert als Seeheld, Abenteurer und Captain Ihrer Majestät der Königin von England bekannt wurde.

Da sein Vater bereits früh verstarb, wurde er ab seinem dritten Lebensjahr von seiner Mutter erzogen. Sein Großvater Admiral W. Smith beeinflusste den jungen Robert sehr stark. Durch Ihn wurde in B.P. die Lust am Abenteuer und an der Naturbeobachtung geweckt. Mit 13 Jahren trat er in das renommierte Englische College of Charterhouse ein. Dort nützte er jede freie Minute um sich die " Wissenschaft des Waldes" , wie er es nannte anzueignen. Solche Kenntnisse kamen Ihm während seiner Reisen in England und Norwegen zugute. Die von Ihm im Anschluß an sein Schulexamen abgelegte Aufnahmeprüfung, für einen Ausbildungsplatz bei der Armee bestand er als zweiter von 717 Kanditaten. Daraufhin durfte er sich seine Waffengattung selbst aussuchen. Als begeisterter Reiter landete er dann bei der Kavallerie.

Als Offizier wurde er zusammen mit dem 13. Husarenregiment in Indien, damals noch brt. Kronkolonie eingesetzt. Durch seine vielfältigen Begabungen, er kannte sich gut in der dortigen Wildnis aus, wurde Ihm die Ausbildung der Scouts übertragen. Pfadfinder die nicht im offenen Kampf eingesetzt wurden, sondern das gegnerische Lager auskundschaften mußten. Bei der Ausbildung dieser Scouts wendete B.P. erstmals eine neue Ausbildungsmethode an, er verzichte auf Zwang und Drill. Statt dessen versuchte er seinen Schützlingen Sinn und Zweck ihrer Aufgabe zu erklären. Er gab ihnen keine langen Erklärungen, sondern ließ ihnen bei der Bewältigung ihrer Aufgaben freie Hand. Learning bei doing nannte er sein System. Bei Einsätzen bildete er Gruppen von 5 Mann, mit einem bewährten Soldaten an der Spitze als Truppführer, dem er einen Auftrag erteilte und ihm bei der Durchführung freie Hand ließ. Vor allem macht B.P, damals für einen Offizier undenkbar alle Strapazen seiner Soldaten mit und diente somit als Vorbild.

Hier erkennt man schon Parallelen zu den Grundprinzipien der Pfadfinderei, obwohl dieses System für Erwachsene und das Militär konzipiert war.

BP mit Horn
1897 wurde er, inzwischen zum Hauptmann ernannt , nach Südafrika versetzt, um den Ashanti-Häuptling Pempreh gefangen zu nehmen. Auf der Fährte des flüchtigen Häuptlings lernte er von befreundeten Eingebo-renen ihm noch unbekannte Methoden der Jagd, des Spurenlesens und der Orientierung. Durch seine Begabung, er übertraf seine Lehrer in kürzester Zeit, gaben sie Ihm den Namen " Impeesa " - Der Wolf der nie schläft. In dieser Zeit fing B.P. an sein erstes Buch "Aids for Scouting" zu schreiben , das aber nicht für die Jugend sondern fürs Militär gedacht war. Es erschien 1899 und wurde vom englischen Generalstab als allgemeine Ausbildungslektüre für Offiziere empfohlen. Als das Buch fertig war gelang es ihm Häuptling Pempreh gefangenzunehmen. Er ließ ihn allerdings nicht hinrichten - Blutvergießen war für B.P. seit jeh her ein Greuel gewesen - sondern schickte ihn ins Exil, wo er später ein großer Bewunderer der Pfadfinderbewegung wurde.
Als Oberst leitete er dann ab 1899 die Verteidigung der afrikan. Stadt Mafeking, die von den Buren belagert wurde. Bei der Verteidigung nutzte er seine Fähigkeiten die er ihm Ashanti-Feldzug gewonnen hatte. Er verteidigte mit 1000 Mann die Stadt gegen 9000 Mann 217 Tage lang, bis sie schließlich von der engl. Kavallerie befreit wurden. B.P. verteidigte die Stadt nicht mit Gewalt, sondern mit List, indem er den Buren vortäuschte, gegen eine größere Anzahl an Verteidigern zu kämpfen. Aus Stroh ließ er Puppen herstellen, die er zur Täuschung verwendete. Geschnitzte Holzgewehre ragten aus Schießscharten, Konservendosen und alte Öfen dienten als Geschützattrappen. Außerdem bildete er Jungen aus der Bevölkerung für leichte militärische Aufgaben, wie z.B. Sanitäter, Melder und für Spähtrupps aus. Dabei wandte er die gleichen Erziehungsmethoden wie bei seinen Scouts in Indien an. Dabei stellte er fest, daß die Jungen durchaus fähig waren, Verantwortung zu übernehmen und Strapazen zu ertragen, wenn man ihnen Vertrauen schenkte und freie Hand für selbständiges Handeln ließ. Diese Erkenntniss brachte B.P. auf die Idee eine Jugendorganisation zu gründen.

1901 kehrte er nach England zurück , um dort zum General befördert zu werden. Fassungslos stellte er fest, das er über Nacht zum Nationalheld und vor allem zum Idol der Jugend geworden war. Die Englischen Zeitungen hatten ohne sein Wissen von der Belagerung von Mafeking berichtet und sein Buch "Aids for Scouting" war zu einem Bestseller geworden. Das aber schien B.P. bedenklich, da es für einen anderen Personenkreis geschrieben worden war. Er beschloß ein zweites Buch mit dem Titel " Scouting for Boys " zu schreiben.

Zu dieser Zeit, er war noch General der königlich-britischen-Armee, erhielt er den Auftrag, die in Englands Diensten stehende berittene Schutzpolizei zu gründen. Diese Truppe war mit der späteren Kleidung der Pfadfinder - Breitrandigem Filzhut, Halstuch und Khakihemd - bekleidet und wurde bald als Elitetruppe bekannt.
Angeregt durch Rudyard Kipling's Buch " Kim " erkannte er daß das Spiel ein wesentliches Merkmal jeder Erziehung ist und daß sich seine These Leaning by doing auch im Spiel bestätigt. 1903 wurde er zum britischen Generalinspektor befördert, quittierte aber 1910 den Dienst weil er sich ganz der Jugendbewegung der Pfadfinder widmen wollte.

1907 fand das erste Pfadfinder Lager auf der Insel Brownsea Island mit 21 Jungen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten statt, dessen Ergebnisse erstmals vollständig im 1908 erschienen Buch " Scouting for Boys " veröffentlicht wurden. Unter B.P.'s Anhängern war auch der Verleger Pearson, der für B.P. die Zeitschrift " The Scout " herausgab. Diese Zeitung sollte für weitere Überraschungen sorgen. 1909 unternahm B.P. eine Reise nach Chile. Dort wurde er zu seinem Erstaunen von Jungen in der typischen Pfadfindertracht empfangen. Sie hatten sich die Zeitung schicken lassen und ihre eigene Pfadfindergruppe nach ihrem dort beschriebenen Vorbild gegründet. B.P. erklärte sie zur ersten ausländischen Pfadfindergruppe. Außerdem wurde im Jahr 1909 der Heilige St. Georg von B.P. zum Schutzpatron der Pfadfinder erklärt, weil er der einzige Ritter unter den Heiligen war und B.P. die Ritterlichkeit sehr am Herzen lag. Die erste Girl scout-Gruppe wurde gegründet. 1916 übernahm seine Frau Olave St. Clair, die er 1912 heiratete die Führung der Girl Guides. Im Jahr 1920 fand das erste Jamboree in London statt ( 8000 Teilnehmer aus 27 Ländern ). Dort bekommt B.P. als einziger ( für immer ) den Titel " Chief Scout of the World " verliehen. 1922 zählt die Pfadfinderbewegung bereits 1 Million Mitglieder in 32 Ländern. 1929 wird B.P. zum " Lord Robert Baden-Powell of Gilwell " geadelt. Im selben Jahr findet das Jamboree in Birkenhead statt und Lady Olave Baden-Powell erhält den Titel " Chief Guide of the World ".

Grabstein
Baden-Powells letzter großer Auftritt war beim Jamboree 1937 in Holland. Danach zog er sich in sein Haus nach Nyeri in Kenia, zurück, wo er am 8. Januar 1941 im Alter von 83 Jahren starb. Von dort schrieb er auch seine Abschiedsbriefe an die Padfinderinnen und Pfadfinder. Seinem letzten Wunsch entsprechend wurden bei seiner Beerdigung keine großen Reden gehalten, nur ein Trompeter blies den Pfadfinderpfiff.
Auf seinem Grabstein befindet sich ein Kreis mit einem Punkt darin. Es ist eines der internationalen Pfadfinder-Wegzeichen, das von allen Pfadfindern verstanden wird.

Es bedeutet: Ich habe meinen Auftrag erfüllt und bin heimgegangen.